Besuch bei einem „Brabants Bests“: All Tape Supplies

All Tape Supplies (ATS) aus Tilburg produzieren in Tilburg selbst, was andere Unternehmen in Niedriglohnländer outsourcen würden. Erst spät fand Besitzer Felipe Muñoz Mateu heraus, welcher Begriff dafür verwendet wird: Reshoring. Und es lohnt sich, denn er und seine Mitarbeiter können auf täglicher Basis gemeinsam bewerten und diskutieren, was in der Produktion besser und einfacher umgesetzt werden kann. Obendrein haben sie viel Spaß dabei.

„Alles, was Sie anfassen, hatte bereits Kontakt mit Klebeband. Wissen Sie, dass in einem Auto 60 kg Klebeband enthalten sind?“, fragt Felipe Muñoz Mateu. Man weiß das gemeinhin gar nicht. Das im Jahr 2006 mit seinem Vater gegründete Unternehmen begrüßt im Herbst 2018 den 37. Mitarbeiter.

Die mehr als mannshohen Klebebandrollen im ATS-Lager stammen aus Asien. Bei ATS werden sie in das Format gebracht und so verpackt, wie es die Kunden benötigen. Dadurch kann ATS wesentlich schneller liefern als die Konkurrenz, die das Endprodukt aus Niedriglohnländern importiert. Felipe Muñoz Mateu und seine Mitarbeiter arbeiten jeden Tag an einer weiteren Verbesserung der Prozesse. Sie nehmen Maschinen auseinander und bauen sie wieder zusammen, damit diese besser arbeiten und optimal an die Anforderungen bei ATS angepasst sind. Man mag diese Arbeitsweise.

„Für mich ist das Disneyland“, sagt Niels Bakker (22), Labortechniker für Qualitätskontrolle. Er studierte technische Physik und arbeitete in den Ferien bei ATS. „Altmodisch“ fand er diesen Job. „Ich mische mich gerne ein, also brachte ich meine Gedanken so wohlwollend wie möglich zu Papier und fragte, ob ich die Prozesse nicht ein wenig vorantreiben und moderner gestalten könne.“ Obwohl dem aufgrund seiner geringen Erfahrung nicht sofort entsprochen wurde, durfte er im Unternehmen bleiben. Denn seine Zielsetzung entspricht auch der von ATS: kontinuierliche Verbesserung.

Man verfährt dort auch so im Bereich der Personalpolitik. Beispielsweise arbeitet man im Unternehmen nicht mehr in „Boxen und einzelnen Räumen“, sagt Felipe Muñoz Mateu, „man arbeitet jetzt in Teams“. Ein solches Team besteht aus Marketing, Einkauf, Vertrieb, Planung und IT. Der anrufende Kunde muss beispielsweise nicht mehr warten, bis der Einkäufer Zeit hat, er wird unmittelbar bedient. Seit Jahren bereits schulen wir unsere Mitarbeiter, damit ihnen die Arbeit erleichtert wird und sie ihre Aufträge fröhlicher erledigen. Man muss zwar arbeiten, aber man kann auch Spaß dabei haben.

Niels Bakker bestätigt, dass diese Idee bei den Mitarbeitern gut ankommt: „Wachstum und Lernen bedeuten mir alles. Ohne das würde ich nicht klarkommen.“ Seine Aufgabe ist das Wachstum des Labors, so dass es an allen Prozessen beteiligt ist. „Wenn ich eine Idee habe, die nützlich oder cool ist, darf ich sie ausarbeiten. Normalerweise bekomme ich stehende Ovationen dafür. In anderen Unternehmen, in denen ich gearbeitet und ein Praktikum absolviert habe, betrachtet man diese Dinge mit mehr Vorsicht. Chefs halten für gewöhnlich nichts von Investitionen, die sie sich nicht selber ausgedacht haben.“

Drei der vier Aspekte, nach denen die Brabants Bests ausgewählt werden, finden sich in der Arbeitsmethode von ATS wieder: soziale Innovation einschließlich Beschäftigung und Reshoring. Felipe Muñoz Mateu arbeitet hart an sozialer Innovation, wusste jedoch lange Zeit nicht, dass er auch Reshoring und integratives Arbeitgebertum betreibt. „Wir haben jahrelang an Reshoring gearbeitet, ohne zu wissen, dass es so heißt. Es stellte sich heraus, dass man dafür Subventionen bekommen konnte.“ Gleiches gilt für integrative Beschäftigung: „Wir haben jahrelang Menschen eingestellt, die weit weg vom Arbeitsmarkt waren, ohne dafür Zuschüsse zu erhalten. Jetzt arbeiten wir mit der Stadtverwaltung zusammen um Menschen, die gerne arbeiten würden, einen Job zu verschaffen.“ Er hält das für selbstverständlich: „Ich glaube, dass jeder eine zweite oder dritte Chance bekommen sollte. Wir haben das verinnerlicht, als wir mit nichts angefangen haben.“

Manchmal trifft er Unternehmerkollegen, die ihn für verrückt halten: „Sie sagen: Du musst mit den Angestellten nicht befreundet sein, oder? Ich sehe das so: man verbringt mehr Zeit mit den Kollegen als mit der Familie. Wenn man hier nur Probleme hat, kommt man mit Kopfschmerzen nach Hause. Wir lernen, wir erneuern, wir haben gemeinsam Spaß.“

 

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